Donnerstag, 17. Januar 2019, 19.30 Uhr | Festsaal, Karlsburg Durlach

Harfenduo Aurea
Kaleidoskop

Harfenduo Aurea
In ihrem nunmehr dritten Konzertprogramm seit Gründung des Duos 2007 in Freiburg bringen Doesjka van der Linden und Nell Kura Franz Poenitz‘ Spukhafte Gavotte op. 75, Cesar Francks Prelude, Fuge und Variation, John Thomas‘ Watching the Wheat und Cambria, Carlos Salzedos Steel und seine Short Stories, Enrique Granados‘ Danzas Españolas Nr. 3 & Nr. 5, Gabriel Faurés Cantique de Jean Racine und zuletzt Bernard Andrès‘ Parvis zu Gehör.
Konzerteinführung durch die Musiker

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Aktuelles

BNN vom 12.04.2018, Ausgabe Nr. 84 – Seite 15: Erfreuliche Einspringer

Das „TonTrio“ setzt Akzente im Ettlinger Asamsaal
Auch diejenigen, die sich auf die Klänge eines Harfenduos beim Abschlusskonzert der Saison der „Fördergemeinschaft Kunst“ gefreut hatten, dürften von den Einspringern vom „TonTrio“ nicht enttäuscht worden sein. Das Klaviertrio, das 2006 an der Karlsruher Hochschule für Musik gegründet wurde, spielte zugleich das letzte Konzert der Reihe im Asamsaal, da die Fördergemeinschaft ab Herbst in die Durlacher Karlsburg umziehen wird. Schon mit Joseph Haydns fein ausgehörtem E-Dur Klaviertrio XV:28 zeigten sich die Pianistin Julia Haverkamp, die Geigerin Karlotta Eß und Daniel Haverkamp (Cello) als ein bestens abgestimmtes, den Schwerpunkt auf ein gemeinsames Musizieren legendes Trio. Ihre Affinität zu Haydn unterstrich das „TonTrio“ zudem beim zugegebenen Finale aus dessen „Zigeuner- Trio“. Transparenz und dezente Farbigkeit des Spiels prägte auch Mozarts B-Dur KV 502, dessen gelöste Heiterkeit von den Instrumentalisten detailreich umgesetzt wurde. Die Suche nach einem gemeinsamen Trioklang, bei dem keine solistische Dominanz zu erleben war, überzeugte auch hier. 14 irische Volkslieder verarbeitete Frank Martin nach den Worten der Geigerin Karlotta Eß für sein 1925 in Paris entstandenes Klaviertrio nach Liedern von der grünen Insel. Dass der amerikanische Auftraggeber Martins enttäuscht war, ist unverständlich. Das Ensemble ließ mit seinem rhythmisch prononcierten Spiel und ansprechendem Temperament keine Wünsche offen. Kaleidoskopartig wechselnde Stimmungen prägen Dmitri Schostakowitschs erstes Trio c-Moll op. 8. Der 17-Jährige komponierte es 1923 unter schwierigsten Umständen. Gezwungenermaßen arbeitete er als Stummfilm- Pianist, um seine Mutter und Schwester zu unterstützen. Was sich auch musikalisch niederschlägt, nutzt Schostakowitsch doch eine fast filmartige Schnitttechnik für die höchst gegensätzlichen Stimmungen des Trios. Das mit differenzieren Klangfarben, aber auch markantem Zugriff agierende „TonTrio“ zeigte sich auch hier dynamisch bestens abgestimmt.
sws

BNN vom 17.03.2018, Ausgabe Nr. 64 – Seite 17: Behutsam umgesetzt

Szenischer Liederabend im Asamsaal Ettlingen
Auf „Glaube, Hoffnung, Liebe“ verweist der Apostel Paulus im ersten Korintherbrief. Seit Ödön von Horváth vertauscht man gerne die Hoffnung mit der Liebe. Unter diesem belletristisch adaptierten Motto veranstaltete die Fördergemeinschaft Kunst im Ettlinger Asamsaal einen szenischen Liederabend mit den Solisten Raphaela Stürmer (Sopran), Katharina Sebastian (Mezzosopran), Max Friedrich Schäffer (Tenor), Albrecht von Stackelberg (Bariton), Georg Lickleder (Bass). Alison Luz und François Salignat, der auch die musikalische Leitung innehatte, begleiteten am Flügel, Anja Kühnhold führte Regie. Für die Dramaturgie zeichnete Deborah Maier verantwortlich, für die Ausstattung Erika Hoppe. Der Liederabend reicherte die beiden Brahms-Zyklen „Liebeslieder. Walzer“ op. 52 und „Neue Liebeslieder“ op. 65 szenisch an und verband insgesamt 18 weitere Lieder von Mozart bis Strauss zu einer szenischen Abfolge: Die Solisten sangen nicht nur, sondern „spielten“ die Lieder, teils von Tanzeinlagen begleitet (Aleksandra Bruhn, Benjamin Keßler). Ein solches Konzept ist genauso an- und aufregend wie problematisch. Von Werktreueerwägungen abgesehen, wird die unvergleichlich intime Symbiose zwischen dem Sänger und dem mitgestaltenden Pianisten gelockert, wenn nicht gar aufgegeben. Der Liedsänger wird zum Akteur einer fiktiven Opernszene, der Pianist zum Korrepetitor. Was bei den auch chorisch zu verstehenden Brahms-Zyklen noch angeht oder bei Schmankerl wie Schumanns Duett „Unterm Fenster“ (Burns), kann bei Schubert- Liedern wie jenen aus D 911, aus der „Winterreise“ also, oder Schumanns in einem Stammeln endende Heine-Vertonung „Ich hab’ im Traum geweinet“ leicht zum Klamauk werden. Es ist dem behutsamen Konzept Kühnholds zu verdanken, dass diese Reise durch die verschiedensten „Beziehungskisten“ so gut vonstatten ging. Wenn so verführerisch stimmkräftige und bühnenpräsente Sängerinnen und Sänger, dezent geführt, die Bühne bevölkern, kann der „szenische Liederabend“ ein Instrument sein, dem Liederabend an sich die Bahn zu brechen.
han

BNN vom 17.02.2018, Ausgabe Nr. 40 – Seite 31: Raumfüllendes Spiel

Büttner-Preisträger präsentieren sich in Ettlingen
Seit mehr als 20 Jahren fördert der an der Karlsruher Musikhochschule angesiedelte Hermann-Büttner-Wettbewerb talentierte Nachwuchsmusiker, die an der Hochschule studieren. Lange Zeit lediglich für das Fach Klavier ausgeschrieben, wurde der Wettbewerb neuerdings auch auf Kammermusikbesetzungen erweitert. Beim jüngsten Wettbewerb im Jahr 2017 erspielte sich das aus Südkorea stammende Duo mit dem Cellisten Gun-Woo Park und der Pianistin Si-On Choi den ersten Preis. Die in Durlach ansässige Fördergemeinschaft Kunst, die im Asamsaal des Ettlinger Schlosses ihre saisonale Konzertreihe betreibt, nahm dies zum Anlass, den beiden Musikern vor relativ gut gefüllten Reihen ein Podium für ihr von der Klassik bis zum Impressionismus reichendes Programm zu bieten. Eröffnend erklang mit der Nr. 2 aus Beethovens Opus 5 seine wohl bekannteste Sonate für Klavier und Violoncello; den ersten Satz gestalteten Si-On Choi und Gun-Woo Park angemessen eindringlich; im agile Schlussrondo wartete der (den kompletten Abend übrigens auswendig spielende) Park mit präzisen Tonrepetitionen und auch sonst sehr sicherem und virtuosem Spiel auf. Sehr atmosphärisch bot sich dem Zuhörer Claude Debussys d-Moll-Sonate für Violoncello und Klavier dar: Im Eröffnungssatz kam es zu einer schönen Entfaltung der melodischen Linien, wobei allerdings der allzu dunkel-grundtönig und zu wenig brillant intonierte Flügel die der Musik einbeschriebene Leichtigkeit etwas störte. Im zweiten Satz hätte man sich von den beiden Preisträgern gewünscht, den suchend-fragenden Charakter der Musik mehr darzustellen. Sehr routiniert wurde dagegen ein weiterer Dauerbrenner für dieselbe Besetzung gespielt, nämlich Schumanns Fantasiestücke op. 73. Gun-Woo Park gefiel im zweiten Stück mit der notwendigen Leichtigkeit im Ton, wohingegen er und seine Klavierpartnerin im Schlusssatz die feurigen Ausbrüche mit eindrücklicher Leidenschaft angingen. Die eher selten zu hörende a-Moll-Sonate op. 36 von Edvard Grieg bildete schließlich das Finale; im ersten Satz erfuhr Griegs Ausdrucksangabe „agitato“ (aufgeregt) eine angemessene Wiedergabe. Im Mittelsatz berührte vor allem eine schöne Klaviereinleitung durch Si-On Choi, im Schlusssatz zogen beide dann nochmals alle Register und boten raumfüllendes Spiel von sinfonischem Charakter, das mit reichem Beifall honoriert wurde.
-hd.

BNN vom 19.01.2018, Ausgabe Nr. 15 – Seite 23: Überschäumend und dem Leben zugewandt

Streichsextett der Musikhochschule musizierte auf Einladung der Fördergemeinschaft Kunst in Ettlingen
„Wetterbedingt“, ruft Nachum Erlich lakonisch ins Publikum. Gerade musste das Streichquintett in C-Dur von Franz Schubert während der Wiederholung der Exposition abgebrochen werden. Eine Geige hatte die Stimmung nicht gehalten. Erlich, am ersten Pult des Streichsextett der Hochschule für Musik Karlsruhe, sorgte für ein Nachstimmen. Das Publikum im gut besuchten Asamsaal des Schlosses nahm’s gelassen. Es ist ein forderndes Programm, das sich Nachum Erlich und Jaleh Perego an den Geigen, Bratschist Ionel Ungureanu und die beiden Cellisten Bernhard Lörcher und Oliver Erlich vorgenommen haben: Franz Schuberts Streichquintett – es gibt nur eines – und Johannes Brahms’ Sextett Nr. 1 in B-Dur. Schuberts 1828 entstandenes Streichquintett gehört zu den bedeutendsten Werken der Kammermusikliteratur. Kurz vor seinem Tod entstanden, verbindet es symphonische Fülle mit kammermusikalischer Transparenz und verknüpft gegensätzliche emotionale Zustände auf engstem Raum, oft innerhalb eines Melodiebogens – eine Phrase kann heiter anheben und endet in Verzweiflung. Den Musikern gelingt es, diese widersprüchlichen Gefühle nachzuzeichnen. Scharf und schneidend gelingt das erste Thema, dem sich immer wieder die tänzerische Gestalt des zweiten Themas entgegenstellt: Die markanten Arpeggien und Skalen der ersten Geige werden von den beharrlich pulsenden Pizzicati des Cellos abgefangen. Das Adagio nehmen die Musiker relativ rasch. Leidenschaftlich der Mittelteil: Gefühlsausbrüche am ungewohnten Ort, den langsamen Sätzen, ist ein Merkmal von Schuberts Musik. Im Scherzo dagegen versteckt sich die Wehmutsmusik im schön herausgearbeiteten Trio. Der letzte Satz gelingt beeindruckend virtuos. Mit konzertanter Wucht steigert sich Nachum Erlich bis zum Fußstampfen in die Musik hinein. Für Brahms’ Sextett wechselt die erste Geige zu Jaleh Perego, während Erlich zur Bratsche greift und Duru Seong als zweiter Violinist hinzukommt. Der Übermut des 27-jährigen Komponisten zeigt sich in der Wahl volksliedhafter Melodien und Tanzrhythmen. Es gelingt den Musikern, diese Lebenszugewandtheit zu verdeutlichen, die sich den guten musikalischen Witz erlaubt, sämtliche Instrumente zum Ende des ersten Satzes zugleich pizzicato zu führen. Die Quintklänge der Bratsche im zweiten Satz bestätigen den Volksliedcharakter. Ein virtuoses Scherzo und Rondo setzen einen überschäumenden Schluss. Ein famoses Konzert eines famosen Ensembles. Der Applaus war dementsprechend überschwänglich.
Jens Wehn

BNN vom 21.04.2017, Ausgabe Nr. 92, S. 11: Musikalisch bestens abgestimmt

Anna Sophie Dauenhauer und Lukas Kuen spielten im Ettlinger Asamsaal
Das konventionelle Repertoire interessiert die Geigerin Anna Sophie Dauenhauer und den Pianist Lukas Kuen wenig, was schon zwei ansprechende CDProduktionen mit unbekannteren Werken von Pfitzner, Busoni oder Pierné unterstreichen. Und auch im Ettlinger Asamsaal beim Abschlusskonzert der laufenden Saison der Fördergemeinschaft Kunst unterstreicht das Duo, dass es sich lieber abseits ausgetretener Pfade bewegt. Schubert Sonaten op.137, als Sonatinen wurden sie erst nach Schuberts Tod von seinem Verleger Diabelli bezeichnet, von denen die in D-Dur und die in g-Moll erklingen, sind zwar nicht unbekannt, werden aber, da sie dem „hausmusikalischen Bereich“ zugerechnet werden, im Konzertsaal weitgehend ignoriert und zumeist nur als Unterrichtsobjekte beachtet. Mit schlankem, klar konturierten Ton spielt die aus Kaiserslautern stammende, bei Ulf Hoelscher in Karlsruhe ausgebildete Geigerin, die als Leihgabe ihres Mentors ein italienisches Instrument von 1756 spielt, die manuell nicht sonderlich anspruchsvollen Werke. Gemeinsam mit Kuen unterstreicht sie deren melodische Qualität dank ansprechender Musizierfreude. Ein anderes Kaliber stellt die 1946 entstandene 2. Violinsonate op. 10 des nahezu unbekannten Komponisten Howard Ferguson (1908 bis 1999) dar. Das kraftvolle, der Tonalität aber verpflichtete Werk ist Teil des sehr überschaubaren OEuvres von Ferguson, der primär als Lehrender und Musikwissenschaftler, aber auch als Autor eines populären Kochbuches in Erinnerung bleibt. Anna Sophie Dauenhauer und Lukas Kuen setzen sich für die farbenreiche, emotional direkt ansprechende Musik des aus Irland stammenden Komponisten, das Finale der Sonate erinnert entfernt an Prokofjew, mit Nachdruck und genauer Abstimmung ein. Ebenso findet das Duo einen überzeugenden Zugang zur Musik von Gabriel Fauré. Die dezente Farbpalette, die die Geigerin hier wählt, und das gleichfalls von Clarté geprägte Spiel des Pianisten ergänzen sich in der ersten Violinsonate op. 13. Bei Fauré zählen die klug musizierten Nuancen, nicht die großen, alles erschlagenden Klanggesten. Die Feinheiten der Musik erklingen so im Asamsaal in überzeugender Übereinstimmung. Auch bei der ganz auf die Geigerin zugeschnittenen Zugabe, dem Lied „Sea Shell“ von Carl Engel in der Bearbeitung von Efrem Zimbalist, präsentiert das Duo das weniger Bekannte: Mit vollem Einsatz nimmt sich Anna Sophie Dauenhauer der vielfältig-virtuosen Möglichkeiten dieser reizvollen Musik an.
sws

BNN vom 18.10.2014, Ausgabe Nr. 241, S. 14: Eins mit der Musik

Fabio Martino in Ettlingen
Er schickt sich an, eine Weltkarriere zu beginnen und vielleicht bald mit weltweit bekannten Pianisten in einem Zuge genannt zu werden: der aus Brasilien stammende Pianist Fabio Martino, der nach Studien in seiner Heimat auch an der Musikhochschule Karlsruhe ausgebildet wurde und inzwischen auf eine ansehnliche Zahl von Preisen bei Klavierwettbewerben zurückblickt, eröffnete mit einem Klavierrezital die neue Konzertsaison der Fördergemeinschaft Kunst im Asamsaal des Ettlinger Schlosses. Schon gleich zu Beginn beeindruckte in Franz Liszts bekannten drei Nocturnes – besser als Liebesträume bekannt – Fabio Martinos voller und sonorer Klavierton, mit dem er auch in leisen Passagen den akustisch exzellenten Asamsaal ausfüllte und das Auditorium so quasi eins mit der Musik werden ließ. Martino versteht jedoch nicht nur die leisen Stellen mit Leben und Intensität zu erfüllen, sondert entfacht auch an musikalischen Höhepunkten ein wahres Klangfeuerwerk. Dabei bleibt sein Spiel trotz zum Teil enormer Lautstärke stets klar und verständlich; die Einbettung extrovertierter Ausbrüche – die sich sicherlich auch aus Martinos südamerikanischem Temperament speisen – in den musikalischen Kontext gelingt ihm jedoch stets so intelligent, dass sich jeder Verdacht von Kraftmeierei und Effekthascherei im Nu verflüchtigt.
So gelang ihm nicht nur eine stimmige Gesamtschau über die drei Lisztschen Liebesträume, sondern auch über Robert Schumanns C-Dur-Fantasie op. 17. Neben dem rauschenden Beginn bestach auch sein Herangehen an den horrend schweren zweiten Satz, durch dessen Schwierigkeiten er sich nicht zu Hektik und Kurzatmigkeit verleiten ließ, sondern das rechte Maß wahrte.
Einen schönen und durchdachten Kontrast bot er im zweiten Teil mit Haydns h-Moll-Sonate – solcherlei „kleinere“ Werke werden ja häufig gleich zu Beginn „abgearbeitet“, aber durch die Platzierung im Herzen des Abends geriet diese klar und wie aus einem Guss gespielte Sonate in ein ganz anderes und angemessenes Licht. Hierzu wiederum gegensätzlich war dann die abschließende A-Dur-Sonate Sergej Prokofjews, in denen Martino in den Ecksätzen zeigte, dass ihm, wo angemessen, auch das hart-martialische, maschinengleiche und nicht nur empfindsame Spiel durchaus eigen ist. Mit mehreren Zugaben bedankte er sich beim begeisterten Publikum.
-hd.

BNN vom 15.03.2013: Weit mehr als nur technische Perfektion

Peijun Xu konzertiert im Asamsaal des Schlosses Ettlingen mit Werken von Hindemith, Kodály und Bach
Diese Erscheinung. Das simple violette Kleid, die Bratsche und so viel, das das Auge nicht sehen kann. Ein musikalisches Moor. Und eine Künstlerin, die ihr Publikum – sie war am Mittwochabend auf Initiative der Fördergemeinschaft Kunst – in den Asamsaal des Schlosses Ettlingen gekommen – mit jeder Note tiefer hineinzieht und damit in sein unentrinnbares Schicksal führt, das nichts Geringeres bedeutet, als überwältigt zu werden: Peijun Xu. Zoltán Kodálys Bearbeitung der ehemaligen Cembalo-Fantasie von Johann Sebastian Bach ist nur das anfängliche Hypnosespiel, das dieser wuchtigen Mission den Weg ebnet. Was kümmern Peijun Xu die Brechungen und Läufe, mit denen Bach einst wohl prüfen wollte, wer sein Werk wahrhaft zu interpretieren vermag und wer nicht? Sie, die hochvirtuos, aber auch angriffslustig und mutig kann, zieht feine Linien durch das Klanggemälde und beweist sich als Künstlerin, die fähig ist weit mehr als technische Perfektion zu zeigen. Spätestens bei Max Regers Solo- Suite in D-Dur wirkt sich das erstmals richtig aus. Herrlich spielt die gebürtige Chinesin hier mit den Farben und schafft es fast etwas Frühlingshaftes und Volkstümliches in den Ton zu heben. Doch der Augenblick heller Freude ist stets fragil, fast transparent und niemals sicher. Dass er bricht, ist allzu wahrscheinlich, denn Schönheit ist in der Moderne eben nie auf Dauer angelegt. Xu ahnt das sehr genau und lässt den Sonnenschein nur durch dichte Äste scheinen – die Betrübnis erwartend. Mit Paul Hindemith gibt sie da gerade dem Rechten die Hand. Wie eine Breitseite bauscht sich die Solo-Sonate zu einem mächtigen Sturm auf, der an Bord bald nur noch eine Diagnose zulässt: Leck geschlagen. Wie eine Faust in die Magengrube trifft Hindemith in diesem Augenblick die Gemüter. Peijun Xu vollführt diesen Kampf ganz wunderbar, und lässt auch ihre Zuhörer spüren, wie eisig sich ein jeder Ton anfühlt, den sie die Fluchten hinuntertreiben muss. Und dennoch bleibt sie die Meisterin der Situation und ist sich ihrer Übermacht ganz bewusst. Mit den Worten „Tonschönheit ist Nebensache“ hat Hindemith seinen dritten Satz einst bezeichnet. Man tut ganz recht daran, das auch bei Peijun Xu zu erkennen, denn ob nun bei Hindemith, oder bei Garth Knox’ „Fuga Libre“ – das fast ein wenig an Paganini erinnert – es geht nicht um Schönheit. Es geht um die Involvierung des Zuhörers, der sich der Wirkung dieser Musik nicht widersetzen kann, ja, ihr schutzlos ausgeliefert ist. Das ist weder ästhetisch noch technisch erklärbar, nur die Emotion kann es fassen, weil das, was hier hörbar wird, nichts weniger ist, als die Seele der Musik, zu der Peijun Xu ihr Publikum führt. Die Seele der Musik, wie sie sie interpretiert. Das bringt selbst den routinierten Zuhörer an Abgründe, die erschrecken müssen, weil sie allzu selten offenbar werden. Wenn dann zum Schluss des Konzerts Johann Sebastian Bachs d-Moll-Partita ertönt, ist das nicht weniger, als der unmöglich scheinende Kompromiss zwischen bedingungsloser Huldigung und künstlerischem Hochamt. Das soll ihr erst einmal jemand nachmachen.
(Markus Mertens)

BNN vom 24.11.2012: Meisterliche Geschwister

Konzert im Asamsaal
Die Folklore hat ein ausgeprägt bewahrendes Moment. Sie konserviert das anonym Schöpferische eines Volkes, seine Ansichten und Interessen, seinen künstlerischen Geschmack. Insoweit war das Motto „Musik zwischen Folklore und Moderne“, mit dem das Duo Papadopoulos (Marie-Claudine Papadopoulos, Violine; Dimitri Papadopoulos, Klavier) im Asamsaal des Ettlinger Schlosses ihr Publikum auf das Beste unterhielten, irreführend: Das französische Geschwisterpaar griechischer Herkunft spielte Werke von Beethoven, Ravel, Violetta Dinescu, Iannis Constantinidis und Gershwin – allenfalls die Suiten von Constantinidis oder nach Gershwin mögen in diesem reichen Kontext folkloristische Tupfer gewesen sein. Was den beiden Künstlern jedoch meisterhaft gelang, war ein mit Repertoireschätzen angefüllter Kammermusikabend, der die ganze Bandbreite des gemeinsamen Musizierens von Violine und Klavier entbot. Schon im ersten Teil mit Sonaten von Beethoven (op. 30, Nr. 2) und Ravel wurde klar, dass hier zwei außergewöhnliche Musiker harmonieren: Die Violine, leidenschaftlich, mit bald jähen Akzenten geführt, kraftvoll und ausdrucksstark, das Klavier mit ruhiger und diskreter, aber steter Präsenz und im gogischen Fluss stabilisierend. Hier wird nicht nur zusammen musiziert, hier wird zusammen geatmet, erzählt, erlebt. Das gilt, neben der violinsolistisch höchst diffizilen „Étude de nuages“ von Violetta Dinecu (das Stück entstand in diesem Jahr als Auftragswerk), auch für die Duo-Suite über dodekanesische Themen von Constantinidis und für die von Jascha Heifetz nach Gershwins Oper „Porgy and Bess“ erstellte Suite, die zum beschwingten Finale erklangen. Dem begeisterten Applaus ließ das Duo ein Arrangement des Ohrwurms „Après un rêve“ von Fauré folgen.
(han)